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An dieser Stelle möchte ich ein wenig mehr darüber erzählen, wie dieser Roman entstanden ist.
Zwei Dinge sind für mich sehr eng mit der Arbeit an „Der Kuss des Engels“ verknüpft: Erinnerungen an meine Recherchereise nach Paris – und das berühmte Foto „Kuss vor dem Rathaus in Paris“ von Robert Doisneau aus dem Jahr 1950. Dieses Foto hatte ich beim Schreiben ständig vor Augen, weil es an der Wand des Zimmers hing, das mir für jene Monate als Arbeitszimmer zur Verfügung stand. Besser hätte es der Zufall nicht fügen können, um mich in die richtige Stimmung für den Roman zu versetzen.
Als ich zu Beginn der Vorbereitungen für „Der Kuss des Engels“ darüber nachdachte, in welcher Stadt die Geschichte spielen sollte, war mir sehr schnell klar, dass nur Paris dafür in Frage kam. Bei keinem anderen Ort entsteht im Kopf des Lesers sofort ein so romantisches Flair. Ideal für eine Liebesgeschichte.
Dass man aber auch selbst in Paris gewesen sein muss, um ein lebendiges Bild dieser Stadt zeichnen zu können, lag auf der Hand. Außerdem hatte ich bestimmte Szenen wie jene auf der Brücke bereits im Kopf und wollte mir vor Ort die passenden Schauplätze dafür suchen. Deshalb reiste ich im Juli/August 2009 nach Paris.
Hier der Blick von der Pont de la Tournelle, die ich dann als "Sophies Brücke" ausgewählt habe:

Im Buch steht Sophie natürlich bei Nacht an dieser Stelle. Oft war der Auswahlprozess aber genau anders herum: Viele reizvolle Winkel der Stadt inspirierten mich zu ganz neuen Szenen, die nur dort stattfinden konnten. Die enge, verwinkelte Rue des Barres zum Beispiel, in der Jean die Leiche des Besessenen findet. Für eine Gasse, die sich so nah an Sehenswürdigkeiten wie dem Rathaus und Notre Dame befindet, ist es dort erstaunlich still und menschenleer:

Oder die Brücke über den Kanal Saint Martin, wo sich Jean mit Lilyth trifft. Sie diente bereits 1938 als Filmkulisse in "Hôtel du Nord":

Und auch die Mausoleen auf dem Friedhof Père Lachaise.
Erst als ich selbst dort war, merkte ich, wie unheimlich es dort bei Sturm und Dunkelheit ist. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass etliche Grabstätten nur noch zerfallende Ruinen sind, über die Bäume und Gestrüpp wuchern. Gemeinsam mit Katzen und Krähen, vertrockneten Blumen und vergilbenden Seidenbändern ergibt das eine wirklich gruselige Atmosphäre.

Einerseits hat Paris so viel zu bieten, dass ich gar nicht erst versucht habe, jedes interessante Bauwerk, jeden hübschen Park und jedes schräge Lokal irgendwie in den Roman einzubauen. Es sind auch so schon mehr als genug Schauplätze geworden, und mit der Métro sind Sophie und Jean ebenso schnell in jeder Ecke von Paris wie ich auf meinen Entdeckungstouren.

Andererseits kann man aber tatsächlich fast jeden Ort besuchen, der im Roman vorkommt. Manchmal habe ich die Namen der Läden und Lokale geändert, um den Besitzern keine schwarzmagischen Umtriebe zu unterstellen. Trotzdem sind sie alle innerhalb des Bereichs zu finden, den die Karte im Buch abdeckt. Wer möchte, kann also auf den Spuren von Sophie, Rafael und Jean durch Paris wandeln und im „Le Procope“ gediegen speisen, im „L’Occultisme“ ein mystisches Buch kaufen und sich zum Lesen an den Medici-Brunnen im Jardin du Luxembourg setzen:

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