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Avatar - Aufbruch nach Pandora

Avatar - Aufbruch nach Pandora, Kinoplakat

 
Avatar - Aufbruch nach Pandora ist ein amerikanischer Science-Fiction Film von Regisseur James Cameron (Terminator, Alien 2, Titanic u.a.), der nach beinahe vierjähriger Produktionszeit im Dezember 2009 in die Kinos kam. In bisher ungekanntem Ausmaß kamen dabei 3D-Techniken zum Einsatz, auch in der Vermischung von realen und computeranimierten Szenen setzte der Film neue Maßstäbe.
 
Bis 30. Mai 2010 spielte Avatar weltweit 2,7463 Milliarden Dollar ein, was ihn in absoluten Zahlen (nicht inflationsbereinigt) zum bisher kommerziell erfolgreichsten Film macht. Er ist dabei auch der einzige Film, der je die 2 Milliarden-Dollar-Grenze knackte (der zweiterfolgreichste Film Titanic spielte 1,8432 Dollar ein).
 
Auch die Verkaufszahlen als DVD- und Blu-ray sind rekordverdächtig: Die Blu-ray Version wurde in Nordamerika innerhalb von vier Tagen insgesamt 2,7 Millionen mal verkauft.
 

Inhaltsverzeichnis

 
Weltenentwurf als Hintergrund zur Handlung
Handlung
Entwicklung und Produktion
Persönliche Einschätzung und Kritik
Resümee

 
Weltenentwurf als Hintergrund zur Handlung
 
Die Rohstoffknappheit auf der Erde hat weiter zugenommen und ca. 200 Jahre in der Zukunft sind die natürlichen Ressourcen unseres Planeten erschöpft. Grund dafür war die Entwicklung einer Materie-Antimaterie Technologie, die eigentlich einen Weg aus der Energiekrise weisen sollte. Die enormen Kühlanlagen für die dafür notwendigen Supraleitmagnete, die die Antimaterie isoliert halten müssen, benötigten ihrerseits jedoch wiederum derartige Energiemengen, dass die Ressourcenausbeutung dadurch nicht gestoppt werden konnte. Die Folge ist eine verstärkte Expansion der Menschheit ins All, um dort neue Rohstoffquellen zu erschließen.
 
Im benachbarten, 4,34 Lichtjahre von der Erde entfernten Dreifach-Sternensystem Alpha Centauri machten Teleskope und unbemannte Sonden schließlich eine bedeutende Entdeckung: Einer der drei Gasriesen, die den Hauptstern Alpha Centauri A umkreisen, liegt in der sogenannte „habitablen Zone“, in der Planeten flüssiges Wasser enthalten können. Dieser Gasriese, der aufgrund eines ausgeprägten Sturmsystems den Namen Polyphemus erhalten hatte (nach dem einäugigen Riesen in der Odyssee), besitzt ein ausgedehntes Satellitensystem von 14 Monden. Einer von ihnen ist mit einem Durchmesser von 11447 Kilometern fast so groß wie die Erde (12752 km Durchmesser) und fiel schon früh durch ein enorm starkes, aber ungleichmäßiges Magnetfeld auf. Es zeigte sich, dass diese Besonderheit durch ein nur auf diesem Mond vorkommendes Kompositmaterial verursacht wurde, das bis zu seinem Schmelzpunkt bei 1516 °C supraleitfähig blieb (also keinen elektrischen Widerstand aufwies)! Aufgrund dieser eigentlich unmöglichen Eigenschaften erhielt das Material den Namen Unobtainium (von engl. unobtainable = nicht beschaffbar). Oft wird das Wort aufgrund leichterer Aussprechbarkeit auch zu Unobtanium verballhornt.
 
Durch den geringeren Durchmesser und die damit verbundene kleinere Masse herrschen auf Pandora, wie der Mond schließlich benannt wurde, nur ca. vier Fünftel der Erdgravitation (0,8 g). Dennoch ist die Atmosphäre aufgrund hoher Anteile von Kohlendioxid und Xenon (18 und 5,5%) dichter und schwerer als auf der Erde und für den Menschen giftig (u.a. durch von Vulkanen ausgespienes Hydrogensulfid). Außerhalb von luftdichten Räumen können Menschen sich daher nur mithilfe spezieller Atemmasken auf dem Mond aufhalten.
 
Das Klima auf Pandora ist insgesamt recht ausgeglichen. Auf den Polen befinden sich zwar Eiskappen, allerdings keine Landmassen. Diese sind kleiner, aber zahlreicher als auf der Erde, da der Mond aufgrund der Gezeitenkräfte des nahen Polyphemus geologisch aktiver ist (=aktivere Plattentektonik, verstärkter Vulkanismus). Daher sind große Teile der Kontinente mit Regenwald bedeckt, obwohl das Land-Wasser-Verhältnis ein größeres ist als auf der Erde.
 
Pandora hat, wie die Erde, im Laufe seiner Evolution zahlreiche Pflanzen und Tiere hervorgebracht, die sich zum Leidwesen der Menschen aber insgesamt als recht wehrhaft, zäh und gefährlich erwiesen haben. Das erschwert die Gewinnung des begehrten Unobtainiums erheblich, dennoch rechtfertigt der hohe Marktwert von 40 Millionen Dollar pro Kilogramm offenbar das Risiko. Der begehrte Rohstoff wird vom privaten Raumfahrt-Konsortium Resources Development Administration (RDA) mittels Tagebau gewonnen, der allerdings riesige, öde Narben in der Landschaft hinterlässt. Damit geriet die RDA in Konflikt mit der einzigen mit menschenähnlicher Intelligenz ausgestatteten Spezies von Pandora, den humanoiden Na'vi.
 
Die Na'vi sind aufgrund der geringeren Schwerkraft auf Pandora größer und schlanker gebaut als Menschen (2,7-3,5 Meter hoch), haben blaue Haut, katzenähnliche Augen, einen Schwanz, sowie nur vier Finger an jeder Hand. Wie viele Lebewesen auf Pandora besitzen sie eine sehr kräftige Muskulatur und mit natürlich vorkommender Kohlefaser verstärkte Knochen (was sie zu gefürchteten Gegnern macht). Außerdem ermöglicht ihnen ein „Neuronalzopf“ an ihrem Hinterkopf, eine geistige Verbindung mit Lebewesen einzugehen, die über einen ebensolchen oder ähnlichen verfügen (was auf praktisch alle höher entwickelte Tier- und auch manche Pflanzenarten auf Pandora zutrifft). Sie leben eng mit der Natur verbunden und befinden sich technologisch gesehen auf Steinzeitniveau. Viele Unobtainiumlagerstätten befinden sich unter für sie sehr wichtigen spirituellen Orten, weshalb der Konflikt mit der hochtechnisierten Menschheit, die verzweifelt nach einer Lösung für ihr Energieproblem sucht, vorprogrammiert ist.
 
Dies ist einer der Gründe, warum das sogenannte Avatar-Programm ins Leben gerufen wurde. Avatare sind biotechnologisch aus Kreuzung von Na'vi- und Menschengenen erzeugte Körper, die jedoch keinen eigenen Geist entwickeln, da sie während ihrer sechsjährigen „Reifung“ in Bewusstlosigkeit gehalten werden. Ein Mensch kann diesen Körper jedoch über ein neuronales Interface „steuern“, sofern sein genetisches Material in den Avatar „eingebaut“ wurde. Er liegt dabei in einer speziellen Kammer quasi im Tiefschlaf. Er erlebt den Avatar dann als „seinen“ Körper. Die Avatar-Körper sehen den Na'vi sehr ähnlich, besitzen allerdings fünf Finger, auch sind ihre Augen etwas kleiner.
 
Ursprünglich waren sie dazu gedacht, von Minenarbeitern gesteuert zu werden, um das Unobtainium gefahrloser und einfacher abbauen zu können. Da ein Avatar-Körper und das dazugehörige neuronale Interface jedoch eine Milliarden-Investition darstellt, erwies sich das als unpraktikabel. Daher wurden die Haupteinsatzgebiete die Feldforschung und die diplomatische Interaktion mit den Na'vi. Obwohl die RDA oft als gierig und rücksichtslos dargestellt wird, so hatte sie doch kein Interesse an einem bewaffneten Konflikt, sondern suchte lange nach einer friedlichen Lösung. Leider waren die Differenzen am Ende doch zu groß...

 
Handlung
 
Dem querschnittgelähmten Ex-Marine Jake Sully wird ein Angebot gemacht, das er nicht ablehnen kann: Er soll den für seinen Zwillingsbruder Tom vorgesehenen Avatar auf Pandora steuern, da Tom bei einem Raubüberfall ermordet worden ist. Aufgrund seines identischen Genmaterials ist Jake der einzige, der den Körper noch steuern und so der RDA ihre Milliardeninvestition noch retten kann.
 
Als der Ex-Marine im Jahr 2154 in Hell's Gate, dem RDA-Stützpunkt auf Pandora ankommt, wird ihm von Miles Quaritch, dem Oberbefehlshaber der dortigen Militärstreitkräfte ein freundlicher, von Dr. Grace Augustine, der führenden Wissenschaftlerin und Leiterin des Avatar-Programms ein etwas weniger freundlicher Empfang zuteil. Kein Avatar-Pilot war bisher ein (wenn auch nur ehemaliger) Militärangehöriger, daher ist Sully für Quaritch so wertvoll, aber er hat weder eine wissenschaftliche Ausbildung erfahren, noch eine zum Avatar-Piloten, weshalb ihn Dr. Augustine etwas abschätzig und mit Argwohn betrachtet. Jakes erste Erfahrungen in seinem Avatar sind allerdings sehr erfolgreich, noch dazu ist es für den Querschnittgelähmten eine unvorstellbares Glücksgefühl, wieder seine Beine spüren und gebrauchen zu können.
 
Nichtsdestotrotz wird er auf seinem ersten Außeneinsatz durch den Angriff eines Thanators von der Forschungsgruppe getrennt. In der Nacht zieht er durch sein unangemessenes, den Verhältnissen auf der Erde angepasstes Verhalten die Aufmerksamkeit eines Rudels von Natterwölfen auf sich. Das Eingreifen der Na'vi-Prinzessin Neytiri rettet ihn jedoch. Aufgrund eines Zeichens bringt sie Jake nicht um, wie sie ursprünglich vorgehabt hatte, vielmehr nimmt sie ihn mit zu ihrem Stamm, den Omaticaya, die in einem riesenhaften, mehrere hundert Meter hohen Baum mit weitverzweigter Krone leben. Jake besteht die Prüfung von Mo'at, der spirituellen Führerin der Omaticaya, die entscheidet, dass dem „Himmelsmenschen“ eine Chance gegeben werden soll. Unter der Anleitung von ihrer Tochter Neytiri (die sich zuerst natürlich sträubt und wütend, aber erfolglos protestiert) soll er das Leben der Na'vi kennenlernen und schließlich die Prüfung zur Aufnahme in den Stamm ablegen.
 
Sowohl für Miles Quaritch, wie auch Parker Selfridge, dem RDA-Leiter auf Pandora ist diese Wendung der Ereignisse von enormer Wichtigkeit. Quaritch ist vor allem an militärischen Informationen interessiert, um im Kriegsfall die Na'vi an ihrer empfindlichsten Stelle treffen zu können. Selfridge gibt wiederum Sully die Aufgabe herauszufinden, wie man die Omaticaya bewegen kann, ihren Heimatbaum aufzugeben, da sich unter diesem enorme Unobtainium-Vorkommen befinden, auf die die RDA nicht verzichten will. Er gibt ihm dazu 3 Monate Zeit, danach würde das Militär aktiv werden.
 
Jake Sully kooperiert zunächst bereitwillig, zum Teil aus natürlicher Loyalität, zum Teil, weil Quaritch ihm im Falle eines Erfolges die Finanzierung einer Operation versprochen hatte, die seine Querschnittlähmung beenden würde. Dr. Augustine ist diese Weitergabe von Informationen jedoch nicht recht und verlegt die Operationsbasis in die schwer erreichbaren Halleluja-Berge, wo Magnetwirbel die Orientierung nach Instrumenten erschweren (hohe Unobtainium-Vorkommen lassen dort ganze Berge durch magnetische Abstoßung in der Luft schweben).
 
In den folgenden Monaten vertieft Sully sich in seine Aufgabe und lernt das naturverbundene Leben der Omaticaya kennen und schätzen. Obwohl er sich am Anfang recht ungeschickt anstellt, gibt er nicht auf und arbeitet mit unerschütterlicher Zähigkeit auf sein Ziel hin, was ihm die Achtung und wachsende Sympathie seiner Lehrerin Neytiri einbringt. Aber auch von Seiten Grace Augustines und den anderen Avatar-Piloten bekommt er nach der anfänglichen Geringschätzung zunehmende Anerkennung entgegengebracht. Unter anderem ermöglicht er Dr. Augustine den erneuten Kontakt mit den Omaticaya und die Fortführung eines eingestellten Schulprojekts.
 
Da Sully viel Zeit in seinem Avatar verbringt, stellen sich nicht nur Symptome von Überarbeitung ein, er leidet auch an einer zunehmenden Realitätsspaltung. Sullys anthropozentrische Weltsicht wird aufgeweicht. Die Erkenntnis, dass Unobtainium möglicherweise nicht den größte Schatz Pandoras darstellt nagt an ihm, weil dadurch sein Arbeitgeber ins Unrecht gerückt wird. Außerdem bekommt er das Gefühl, die Omaticaya zu hintergehen, da er ihnen seine wahren Ziele und Motive nicht enthüllen kann, bevor er in den Stamm aufgenommen worden ist. Dennoch bemüht Sully sich, beiden Seiten gerecht zu werden, aber der Zeitplan ist denkbar knapp gehalten.
 
In der Nacht nach seiner Aufnahme in den Stamm, offenbaren Jake Sully und Neytiri einander schließlich ihre Gefühle und schließen unter dem Baum der Stimmen, einem den Omaticaya sehr heiligen Ort, den Bund fürs Leben. Jake erkennt dabei, dass die geistigen Erinnerungen der Omaticaya durch den Tod nicht verlorengehen, sondern in Eywa aufgehen, wie die Na'vi ihre allumfassende Naturgottheit nennen. Am nächsten Morgen wird der Baum der Stimmen jedoch von vorrückenden Bulldozern der RDA zerstört. Sully bezieht dabei erstmals offen Stellung für die Na'vi, indem er das Navigationssystem der Planierraupe zerstört. Miles Quaritch gefällt das gar nicht, er trennt alle Piloten von ihren Avataren und nimmt sie fest.
 
Grace Augustine versucht ein letztes Mal an Parker Selfridge zu appellieren und erzählt ihm von ihrer Entdeckung, dass die Pflanzen und Bäume von ganz Pandora über neuronale Synapsen miteinander verknüpft sind, wodurch ein Gehirn planetaren Ausmaßes entsteht. Die Tiere und die Na'vi sind imstande, durch Tsaheylu mit ihm in Verbindung zu treten. Eywa ist somit keine religiöse Schimäre, sondern eine wissenschaftlich nachweisbare Tatsache. Selfridge kann das nicht begreifen, aber er räumt dem Avatar-Team eine Stunde ein, um die Omaticaya zu überzeugen, ihren Heimatbaum zu verlassen, danach würde das Militär drastischere Maßnahmen ergreifen.
 
Bei den Omaticaya werden Sully und Dr. Augustine jedoch verständlicherweise als Verräter behandelt und festgenommen. Die Na'vi wollen Widerstand leisten, haben gegen den einsetzenden Angriff der Kampfhubschrauber, ihre Tränengasgranaten und Brandbomben aber keine Chance. Ihre Verteidigung mit Pfeil und Bogen wirkt tragikomisch. Quaritch gibt schließlich den Befehl, den Heimatbaum mit Raketen anzugreifen, dem dieser auch nicht lange standhalten kann. In einer der emotional aufwühlendsten und beeindruckendsten Szenen stürzt der Riesenbaum schließlich um, die überlebenden Omaticaya fliehen in den Wald. Jake, Dr. Augustine und Norm Spellman, einer der Avatar-Piloten, der leidenschaftlich Partei für Sully, Dr. Augustine und die Na'vi ergriffen hat, werden eingesperrt. Mithilfe der abtrünnigen Pilotin Trudi Chacon und weiteren, ihnen treu gebliebenen Mitarbeitern gelingt es ihnen zwar zu fliehen, aber ihre Flucht wird entdeckt und Grace Augustine von Miles Quaritch schwer angeschossen.
 
Als Sully wieder seinen Avatar-Körper reaktiviert, fasst er den tollkühnen Plan, durch die Zähmung eines Großen Leonopteryx, dem größten und gefährlichsten Lufträuber auf Pandora, das Vertrauen der Omaticaya zurückzugewinnen und sich eine überragende Stellung im Stamm zu sichern. Das Vorhaben gelingt und die Omaticaya, mittlerweile alle an ihrem heiligsten Ort, dem Baum der Seelen tief in den Halleluja-Bergen versammelt, versuchen auf Jakes Bitte hin, mittels eines Rituals, den Geist der zwischen Leben und Tod schwebenden Grace Augustine dauerhaft in ihren Avatar-Körper zu transferieren. Dr. Augustine ist dafür jedoch leider schon zu schwach und stirbt, ihr Geist geht in Eywa auf.
 
Jake Sully schwört daraufhin die Omaticaya auf bewaffneten Widerstand ein und schickt Boten zu weiteren Na'vi-Stämmen, die sich diesem Aufruf begeistert anschließen. Jake wird durch sein neues Reittier, den Leonopteryx zu einer Ikone des Aufstands gegen die Menschen.
 
Die Zusammenziehung der vielen Na'vi bleibt der RDA nicht verborgen. Miles Quaritch führt einen Präventiv-Angriff aus, dessen Ziel es ist, den „Baum der Seelen“ zu zerstören. Dadurch soll das geistig/spirituelle Zentrum der Na'vi vernichtet werden. In einer heftigen Schlacht behalten die Streitkräfte der RDA trotz anfänglicher Verluste und Rückschläge durch ihre überlegene Technologie zunächst die Oberhand, doch als alles verloren scheint, greifen plötzlich Unmengen von einheimischen Tieren die Menschen an. Eywa, das „globale Gehirn“, hat die Gefahr erkannt und ergreift Gegenmaßnahmen, indem es die einheimische Fauna beeinflusst. Miles Quaritch kann der totalen Vernichtung seiner Truppen in einem mobilen Kampfanzug vorerst entkommen, wird dann aber von Neytiri und Sully gestellt und getötet. Die Na'vi und die Avatare übernehmen anschließend „Hell's Gate“ und zwingen die verbliebene Belegschaft und die Minenarbeiter zum Abzug. Nur ausgewählte, Na'vi-loyale Menschen dürfen bleiben.
 
In der letzten Szene wird gezeigt, wie Jake Sullys Geist von den Na'vi dauerhaft in seinen Avatar-Körper transferiert wird. Sein menschlicher Körper bleibt zurück. Jake ist fortan endgültig ein Na'vi vom Stamm der Omaticaya.

 
Entwicklung und Produktion
 
Regisseur James Camerons erste Entwürfe für die Geschichte reichen bis ins Jahr 1994 (nach anderen Quellen 1995) zurück, also noch vor dem Titanic-Projekt (Produktionsphase 1995-97). Das Skript behandelte bereits das Kernthema, die Bedrohung einer Hochkultur durch fremde Invasoren, von denen sich einer in eine der Eingeborenen verliebt und schließlich die Seiten wechselt. Am Anfang stand also die Pocahontas-Thematik, die auch den Kern des fertigen Films darstellt.
1996, in der Produktionsphase von Titanic, kündigte Cameron bereits das neue Projekt an, das schon damals den Titel „Avatar“ trug. Es sollte sechs Hauptdarsteller beinhalten, die allerdings als reine Computeranimationen geplant waren ("...who appear to be real but do not exist in the physical world"), und ca. 100 Millionen Dollar kosten. Produktionsbeginn sollte 1997 sein, angestrebt wurde eine Veröffentlichung im Jahr 1999. James Cameron hatte jedoch das Gefühl, dass die (digitale) Filmtechnik noch nicht soweit sei, um seine Visionen zu verwirklichen. Er legte daher das Projekt vorerst auf Eis und konzentrierte sich auf die Produktion der Science-Fiction-Fernsehserie Dark Angel (2000). Weiters drehte er eine Fernsehdokumentation über das deutsche Schlachtschiff Bismarck (2002), kehrte auf diesem Wege auch zur Titanic zurück (2003, „Ghosts of the Abyss“ bereits in 3D im Kino), sowie „Aliens der Meere“ (2005), eine weitere 3D-Unterwasserdokumentation. In all dieser Zeit verlor Cameron Avatar jedoch nicht aus den Augen. Er sammelte Erfahrungen in der 3D-Technik, die ihm noch zugute kommen sollte.
 
Bis 2005 überzeugten ihn die Filme Die Rückkehr des Königs und King Kong von Peter Jackson, sowie Fluch der Karibik 2 (Regisseur Gore Verbinski) schließlich, dass die Digitaltechnik weit genug entwickelt sei, um seinen Weltentwurf adäquat umsetzen zu können. James Cameron wäre jedoch nicht James Cameron gewesen, wenn er nicht zugleich neue Maßstäbe hätte setzen wollen. Nicht nur sollten in noch nie dagewesenem Maße digitale Charaktere eingesetzt werden, er wollte alles auch noch in 3D drehen und in die Kinos bringen!
 
Zwischen 2005 und 2007 schrieb Cameron das Drehbuch und entwickelte mit Hilfe mehrerer Expertenteams das Setting, die Welt von Pandora, den technologischen, kulturellen, sowie geschichtlichen Hintergrund (so entwarf der Linguist Paul Frommer beispielsweise eine eigene Sprache für das Volk der Na'vi). Weiters drehte er einen Kurzclip für 20th Century Fox, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Im Jahr 2006 konnte er schließlich das Neuseeländische Unternehmen Weta digital verpflichten, das schon für die Spezialeffekte von der „Herr der Ringe-Trilogie“ und „King Kong“ verantwortlich war. Drehbeginn war nun für 2007, Kinostart für Mitte 2008 geplant. Verzögerungen ergaben sich durch die Entwicklung eines eigenen Kamerasystems (um direkt in 3D drehen zu können baute Camerons Team zwei synchronisierte HD-Kameras in ein Gehäuse zusammen), sowie eine Verbesserung des Motion-Capture Verfahrens, um digitale Effekte harmonischer mit realen Szenen kombinieren zu können.
 
Der Film kam schließlich im Dezember 2009 in die Kinos.
 
Sein große Erfolg ließ Cameron verkünden, dass er Fortsetzungen drehen wolle, die 2014 und 2015 in die Kinos kommen sollen. Dabei sollen auch andere Monde von Polyphemus als Schauplatz dienen und eine Erklärung für das ähnliche Aussehen von Menschen und Na'vi geliefert werden.

 
Persönliche Einschätzung und Kritik
 
James Cameron betrat mit diesem Film nach 12jähriger Absenz wieder die Bühne des großen Kinospielfilms mit dem nicht geringeren Ziel, als die gesamte Kinolandschaft zu verändern und der 3D-Technik zum Durchbruch zu verhelfen. Hat er dieses Ziel erreicht?
 
Tatsache ist, dass die Anzahl an 3D-Filmen seit 2009 signifikant gestiegen ist. War allein Avatar der Auslöser oder handelt es sich um einen allgemeinen Trend, der sich zwangsläufig aus der sich rasant entwickelnden Digitaltechnik ergibt? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte, den unbestritten hat Camerons Film eine Menge dazu beigetragen, da er lange Schatten im Voraus warf (bedingt auch durch die Verzögerungen in der Produktion).
 
Woraus erklärt sich aber diese Breitenwirkung und sein Erfolg? Ist Avatar ein Technik-Spektakel ohne viel inneren Sinn oder spiegelt der äußere Erfolg auch seine innere Qualität wider? Eine schwer zu beantwortende Frage.
 
Zweifellos setzte der Film neue Maßstäbe in optischer Hinsicht, aber das ist spätestens seit Terminator 2 keine Überraschung bei James Cameron. Die räumliche Tiefenwirkung in 3D macht die Flugszenen zum Beispiel zu einem atemberaubenden Erlebnis und die schwebenden Halleluja-Berge lassen einem förmlich die Kinnlade nach unten kippen. Immer wieder ist spürbar, wie tief Cameron seiner Weltenschöpfung verbunden ist. Wie sonst könnte er so hinreißend schöne, ja magische Bilder auf die Leinwand zaubern von dieser vielfältig in allen Farben leuchtenden, schillernden und fluoreszierenden Welt.
 
Auch der zugrunde liegende Weltenentwurf ist von ungewöhnlicher Tiefe und Detailliertheit, wobei trotz aller surrealer Phantasmagorie die physikalischen Gesetze unseres Universums gewahrt bleiben. Cameron sprach im Zusammenhang mit seinem Film zwar von „Science Fantasy“, aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn alle Abweichungen von unserer Normalität, auch wenn sie völlig phantastisch scheinen, sind letzten Endes physikalisch erklärbar. Die gewaltigen Flugtiere, die sich aus der geringeren Schwerkraft und der dichteren Luft erklären, die schwebenden Berge, die magnetischer Abstoßung gedankt, die gewaltigen Felsbögen, die aus den magnetischen Feldlinien von hohen Unobtainiumvorkommen entstanden sind, die Na'vi, die ihre Höhe und Schlankheit gleichfalls der geringeren Schwerkraft verdanken, sie alle sind Beispiele für kreativ angewandte Naturwissenschaft. Das Einzige völlig Fiktive ist das Unobtainium, dessen Vorhandensein zwar vielleicht nicht völlig unmöglich, aber zumindest sehr unwahrscheinlich ist.
 
Der technische Fortschritt der Menschheit wird ebenfalls sehr realistisch geschildert. Die gezeigte Reisemöglichkeit in andere Sternensysteme basiert auf bereits angedachten Szenarien anerkannter Wissenschaftler. Die Geräte der Menschen wirken alle sehr vertraut, weil sie auf möglichen Weiterentwicklungen bereits existierender Maschinen basieren. Allein das Steuern der Avatare ist das vielleicht am weitesten in der Fiction liegende Element, da keine wie auch immer geartete Verbindung zum Piloten erkennbar ist.
 
Der Hintergrund und die optische Seite des Films ist also meisterhaft gelungen. Gelegentlich wurde in Kritiken die Einfachheit und Vorhersehbarkeit der Story bemängelt. Mich persönlich hat das nicht gestört, da diese Einfachheit vom Reichtum und der Tiefe der gezeigten Welt und ihrer Kultur aufgefangen wird. Der Zuseher hat genug damit zu tun, sich innerhalb dieses bildopulenten Universums zurechtzufinden. Cameron wollte keine komplexe Geschichte erzählen, sondern eine einfache, zu Herzen (nicht zu Gehirn) gehende. Eine leichte erzählerische Schwäche ist vielleicht nur, dass Cameron es versäumt, den Kontrast zwischen der ökologisch ruinierten Erde und der weitgehend unberührten Natur Pandoras zu zeigen. Im Director's Cut setzt die Handlung auf der Erde ein, aber ihre Zerstörtheit wird längst nicht so eindringlich auf Bild gebannt, wie später die Schönheit Pandoras. Die Erde interessiert Cameron einfach nicht besonders.
 
Camerons Filme haben im Grunde alle eine recht einfache Storyline. Spannung wird nicht durch überraschende Wendungen erzielt, sondern durch unerbittlich scheinende, packende Konsequenz. Das ist nur dann von Nachteil, wenn der Zuschauer etwas anderes erwartet.
 
Die Figuren und ihre Charakterzeichnung entsprechen dieser Einfachheit.
 
Jake Sully, der Hauptprotagonist, ist das typische Beispiel eines einfachen, gradlinigen Charakters, der vielleicht nicht allzuviel im Kopf los hat, aber das Herz am rechten Fleck. Was ihm an Brillianz fehlt, macht er jedoch durch Fleiß und Zähigkeit wett. Seine Rede, mit der er die Na'vi auf Krieg einschwört, ist typisch emotional simpel gehalten, aber was will man von einem Marine schon mehr erwarten?
 
Neytiri, die weibliche Hauptfigur, wirkt auf den ersten Blick rätselhafter und auch unnahbarer, aber das liegt an der fremden Kultur und ihrer Exotik. Sobald der Zuschauer in die Welt der Na'vi eingedrungen ist wird klar, dass auch sie im Grunde recht einfach gestrickt ist und mehr auf ihr Gefühl, als ihren Verstand hört.
 
Miles Quaritch, seine Militärs und die RDA, die Gegenspieler, werden als geistig ziemlich beschränkt geschildert. Die RDA ist nur am Abbau des Unobtainiums interessiert, der Rest ist ihr wurscht. Als Grace Augustine Parker Selfridge von ihrer Entdeckung des globalen neuronalen Netzwerks berichtet verhöhnt er sie offen und fragt, was „ihr Typen bloß da draußen raucht“. Er kann es sich einfach nicht vorstellen. Quaritch wiederum ist eine Ahab-ähnliche Figur, verbittert und traumatisiert von der Grausamkeit der Welt Pandoras, die ihn gleich bei seiner Ankunft mit Narben im Gesicht gekennzeichnet hat. Die Schönheit dieser Welt vermag er nicht wahrzunehmen. Obwohl er der Hauptgegenspieler ist, wird er nicht völlig negativ gezeichnet. Er kümmert sich um seine Untergebenen und behandelt sie gut, nur Befehlsverweigerung und Desertierung ahndet er gnadenlos.
 
Allein Grace Augustine und ihr Team von Wissenschaftlern bringen einige Funken in diese geistige Wüste. Sie liefern wichtige Erkenntnisse, sind aber auch die großen Außenseiter. Konsequenterweise liegt der Fokus der Geschichte auch nicht auf ihnen.
 
Einfachheit in den Charakteren und in der Handlung kontrastiert also mit einer großen Komplexität und Tiefe im Weltenentwurf und der Bildersprache, eine durchaus gesunde Mischung.
 
Leider versäumt es die Filmmusik, ein ausgleichendes Bindeglied zwischen diesen Extremen zu schaffen, sondern schlägt sich auf die Seite der Einfachheit. Zu Recht ist dies James Horner angelastet worden. Die Gesänge und die Musik der Na'vi werden mit Ethno- und Weltmusikgeschrammel unterlegt, was mich persönlich am meisten gestört hat. Dass die Actionsequenzen „normal-symphonisch“ und rhythmusbetont klingen ist normal und üblich, leider schaffte James Horner es aber nicht, auch die Schönheit der Welt von Pandora und die wilde Freiheit der Flugsequenzen adäquat musikalisch umzusetzen. Über weite Strecken greift der Score Titanic-ähnliche Wendungen und sogar ganze Passage auf, nur nicht so gut, wie in Titanic. Wo James Cameron sich als visueller Visionär erwies, bleib James Horner ein biederer Handwerker, leider!
 
Denn dadurch verpasst der Film den Einzug in den Olymp der filmischen Meisterwerke. Er ist ein sehr guter Film und zurecht ein sehr erfolgreicher Blockbuster, der zudem auch noch nicht nur eine emotional aufwühlende Geschichte erzählt, sondern auch ein eindringliches Plädoyer für ein nachhaltiges ökologisches Wirken wider eine reine Wirtschaftsorientierung ist. Dadurch macht Avatar wieder Raum gut, den er durch die mittelmäßige Filmmusik verloren hat.

 
Resümee
 
Avatar mag kein Meisterwerk sein, aber er ist ein sehr guter Film, der eine faszinierende Welt zeigt, die bunt, schön, grausam, tödlich und berührend zugleich ist. Ich habe ihn mir gerne zweimal im Kino angesehen, mir die DVD gekauft und die Kinoversion mit dem Director's Cut verglichen. Manche Szenen dort fand ich zu Recht gestrichen, andere wiederum hätte ich mir ausführlicher gewünscht. Aber ist das nicht immer so? Bleiben nicht am Ende immer ein paar Wünsche offen? Das Einzige, was ich dem Film wirklich ankreide ist die Filmmusik. Wenigstens ist sie unaufdringlich, stört also nur, wenn man bewusst hinhört (wozu ich als Berufsmusiker mehr oder weniger gezwungen bin).
 
Auch wenn die Figuren und die Story recht einfach gehalten sind, so sind sie trotzdem (vielleicht auch gerade deswegen) lebensfähig und keine blutleeren Charakterpuppen. James Cameron ist und bleibt ein sehr guter Regisseur, der packende Geschichten erzählen kann, umwerfende Welten entwerfen und optische Visionen auf Leinwand bannt, die ihresgleichen suchen.
 
Ich kann den Film auf jeden Fall empfehlen und freue mich schon auf Camerons zukünftige Projekte!

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Diskussionen

Diskussionsbeiträge

Ein sehr ausführlicher und langer Artikel.
Trotzdem fande ich ihn sehr interessant.

Umso kürzer Dein Kommentar!
Ja, das wurde mir schon öfter gesagt, dass ich manchmal zu gründlich und genau bin. Ich hoffe, dass der Artikel trotzdem gefallen hat und interessante Infos vermitteln konnte.

 Alter ist das lang.

Echt guter Artikel
Der artikel ist echt ausführlich geworden,die aufteilung gefällt mir auch gut.Aber eine Sache stört mich ein wenig,der Begriff Ex Marine es gibt keine Ex Marines!Das Sprichwort im lautet einmal Marine immer Marine!Aber sonst wie gesagt ein guter Artikel. : )

Wow, was für ein interessanter Artikel und sowas von ausführlich. Echt toll. Hat Spaß gemacht, ihn zu lesen. Hab aber nicht alles geschafft. Also zum Schluss fehlt mir was, aber das hole ich nach^^

...diesmal in geradezu ungewöhnlicher Häufung, aber danke für ihre Sichtung! Dabei habe ich sooo achtgegeben!
 
Und danke für's positive Feedback!

Verkaufszahlen als DVD- und Blue-ray sind r-->Blu-ray
Blue-ray Version wurde in Nordamerika--> Blu-ray
ungeschickt anstellt gibt er nicht auf und arbeitet mit--> anstellt Komma gibt
größte Schatz Pandoras darstellt nagt an--> darstellt Komm nagt
Schimäre sondern eine wissenschaftlich--> Schimäre Komma sondern
Gehirn“ hat die Gefahr erkannt--> Gehirn" Komma hat
Jahr 1994 (nach anderen Quellen 1995), also noch vor dem Titanic-Projekt--> 1995) zurück, also
Produktionsphase von Titanic kündigte Cameron-->Titanic Komma kündigte
Hauptprotagonist ist das typische Beispiel eines einfachen,--> Hauptprotagonist Komma ist
auf Krieg einschwört ist typisch-->  einschwört Komma ist
 
Neytiri, die weibliche Hauptfigur wirkt auf den--> Hauptfigur Komma wirkt
Wirklich ein ganz toller Artikel, Respekt!
 
-------------------------------------------------------------------------------------------- Vor fünfhundert Jahren wussten wir, dass die Erde eine Scheibe ist. Heute wissen wir: sie ist kugelförmig. Stell dir vor, was wir in 500 Jahren wissen werden! -

Also, ich hab den Artikel im August übernommen (da war nur aus Wikipedia mehr schlecht als recht was reinkopiert worden), setzte mich dran ...und scheiterte erst mal! Ich wollte zuviel.
Dann ließ ich die Sache ruhen, las etwas Sekundärliteratur, einiges im Netz. Vor einer Woche begann ich noch einmal und blieb eisern dran, bis heute.
 
Sorry, dass es so lange gedauert hat, obwohl ich ein schnelleres Ergebnis angestrebt habe! Ich hoffe, das Resultat entschädigt für die Warterei!

der artikel ist echt nicht schlecht!!wirklich super!! Gartulation!
darf ich fragen wieviel Zeit du dafür aufgewendet hast?

...und setz mich in den nächsten Tagen dran. Bin vielleicht schon morgen fertig, spätestens Anfang nächster Woche!

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