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Robert Scott Bakker ist ein kanadischer Fantasyautor, der sich bisher vor allem durch seine Trilogie „Der Krieg der Propheten“ (The Prince of Nothing) einen Namen gemacht hat.
Bakker wurde am 2. Februar 1967 in Simcoe, Ontario als Sohn eines Tabakpflanzers geboren. Bereits als Kind begann er sich für Fantasy zu interessieren und las mit 11 Jahren Der kleine Hobbit von J.R.R. Tolkien. Später spielte er mit Leidenschaft Dungeons&Dragons, wo er regelmäßig die Rolle des Spielleiters innehatte. 1986 begann er an der University of Western Ontario in London, Ontario, ein Studium in Englischer Sprache und Literatur. Später erwarb er noch einen Master in Theory and Criticism.
Bakker begann anschließend ein Philosophiestudium an der Vanderbilt University in Nashville, das er jedoch nach etlichen Jahren ohne Promotion abbrach. Im Jahr 2000 kehrte er nach Kanada zurück und ließ sich, nun verheiratet, wieder in London, Ontario nieder, wo er seither mit seiner Familie lebt.
Wurzelnd in seinem Interesse für Tolkien, Dungeons&Dragons, sowie Dune von Frank Herbert begann Scott Bakker 1986, in seinem ersten Universitätsjahr (nach anderer Quellenlage bereits ein Jahr früher) eine eigene Welt namens Eärwa zu entwickeln, auf welcher er eine monumentale Geschichte ansiedelte, die er „Die zweite Apokalypse“ nannte. In einem nahezu zwanzigjährigen Prozess entstand daraus schließlich die „Prince of Nothing-Trilogie“ (Der Krieg der Propheten), die allerdings nur den ersten von geplanten drei Bänden umfasst. Eine zweite Trilogie mit dem Namen „The Aspect Emperor“ ist derzeit im Entstehen begriffen, der dritte Teil liegt noch in zu ferner Zukunft, um darüber spekulieren zu können (Bakker spricht hierbei vom Book, That Shall Not Be Named).
Der lange Entstehungsprozess (die drei Bände von „The Prince of Nothing“ wurden 2004-2006 publiziert, der erste Band von „ The Aspect Emperor“ 2009) erklärt sich aus der Tatsache, dass Bakker zuerst die Welt und ihren geschichtlichen Hintergrund entwarf, wobei ihm auch sein ausgeprägtes Interesse an historischen Karten und Atlanten zugute kam. Die Welt wuchs weiter in die Tiefe, als Philosophie hinzukam. Laut eigenen Angaben brauchte es „ca. 10 Jahre akademischer Osmose, geschichtlicher Versuche, Sprach- und Religionsstudien“, um den Entwurf zu einem befriedigenden Ganzen abzurunden.
Ein guter Freund und Studienkollege von Bakker empfahl das entstehende Werk an einen befreundeten Literaturagenten in New York, der von „Nietzsche meets Tolkien“ sprach. Das Manuskript war allerdings noch zu unausgegoren um publiziert werden zu können, wirkte aber offenbar vielversprechend, denn der Agent ermutigte Bakker zur Weiterarbeit. Als der „gescheiterte Philosophieaspirand“ Anfang des neuen Millenniums nach Kanada zurückkehrte, trat er deshalb dem Del Rey Online Writer's Workshop (DROWW) bei, um sich im Schreiben und der Plotentwicklung zu schulen ("University can teach you writing, but only workshops can teach you storytelling.").
WERKE
The second Apokalypse
Dieses gegenwärtig noch nicht abgeschlossene Monumentalwerk ist ein Metazyklus, bestehend aus derzeit drei geplanten Trilogien, von denen die erste abgeschlossen und die zweite im Entstehen begriffen ist. Von der letzten ist noch nichts bekannt. Der Fantasyzyklus präsentiert sich als düster-realistischer Gegenentwurf zu Tolkiens Herrn der Ringe, verleugnet aber auch nicht den Einfluss von Frank Herberts Dune und seine Wurzeln im Rollenspiel. Die Leistung von R. Scott Bakker besteht jedoch darin, all diese Einflüsse zu einem organischen Ganzen zu verschmelzen und sie einer eigenen Grundidee unterzuordnen.
So erinnern zwar viele Wesen und manche Namen an den Herrn der Ringe, entwickeln jedoch einen „realistischeren“ Grund. Die Sranc erinnern an die Orks, werden aber als „biologische Waffen“, durch eine Art Gentechnik (Tekne) künstlich erschaffene Lebewesen beschrieben, die nun den Kontinent Eärwa verheeren und die Zivilisationen dort bedrohen. Auch Wracu (Drachen) und Bashrag (Balrogs?) fallen unter diese Kategorie. Die tolkienschen Elben begegnen einem in den sogenannten Nichtmenschen, die jedoch nur sehr vage und äußerst ambivalent beschrieben werden. Auch die Kartenzeichnung erinnert überdeutlich an Tolkien.
Von Dune übernommen ist die Idee des Übermenschen, der sich zum Führer und Propheten der Massen aufschwingt. Auch hier sind jedoch die (Hinter)Gründe anders geartet als bei Frank Herbert und viel düsterer und ambivalenter gezeichnet. Die inneren Dialoge/Monologe und wechselnden Perspektiven verweisen gleichfalls auf den Dune-Zyklus.
Originell ist durch seine Verankerung in der Philosophie auch Bakkers Magiekonzept, dessen Wirken auf gleichzeitig gesprochenen und ungesprochenen (nur gedachten) Formeln beruht. Dadurch, dass er mit den Chorae ein tödliches Verteidigungs- und Angriffsmittel gegen Magie einführt, nimmt er ihr auch einen guten Teil ihrer scheinbaren Allmacht, der in manchen anderen Büchern die Spannung zu dämpfen droht.
Auffallend ist der konsequente Verzicht auf eindeutige Sympathieträger. Dies ist durchaus ein Zug der Dark Realistic Fantasy, aber wenige sind darin so weit gegangen, wie R. Scott Bakker. Zum Teil ist das dem Autor auch als Manko angelastet worden, da dem Leser so eine Identifikationsfigur fehlt, auf die er seine Wünsche und Ideale projezieren kann. Andererseits wirken Bakkers Bücher so auch „erwachsener“ als viele Fantasywerke, gegen die deshalb auch oft (zu Unrecht) der Vorwurf der Infantilität erhoben worden ist, etwas, was man von Bakkers Fantasy wahrlich nicht behaupten kann! Zusammen mit der sprachlichen und gedanklichen Tiefe des Werks sind Bakkers Bücher also keine leichte Lesekost. Die sehr realistischen und auch brutalen Schlachtszenen tun ihr Übriges hinzu. Dennoch benutzt der Autor einschlägige Szenen nie als Selbstzweck, sondern vermittelt immer Atmosphäre, Inhalt und Idee.
Es verwundert nicht, dass The second Apokalypse bisher durchaus kontrovers diskutiert worden ist, dennoch schaffte es der Autor, meiner Meinung nach durchaus zu Recht, innerhalb recht kurzer Zeit zu einem Geheimtipp für solche zu werden, die gerne auch mal Anspruchsvolles, nicht immer Befriedigendes, aber definitiv Bereicherndes lesen.
Bisher sind erschienen bzw. geplant:
Die erste Trilogie liegt komplett auf Deutsch vor, sowohl als gebundene Ausgabe von Klett-Kotta, wie auch als Taschenbuch bei Heyne. Von der zweiten Trilogie liegt bisher weder eine Übersetzung vor, noch ein Veröffentlichungsdatum.
R. Scott Bakker schrieb bisher auch zwei Science-Fiction Romane:
Neuropath, 2008 (deutsche Übersetzung 2010)
The Disciple of the Dog (2010)
Der Artikel ist sehr gut !!!
Sehr informativ und interessant.
im ersten Moment fühlte ich mich von der Fülle des Artikels etwas erschlagen, das legte sich dann aber schnell.
wirklich gut gelungen
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Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde.
Ein sehr guter und ausführlicher Artikel. Auch mich hast du damit neugierig gemacht.
Ein echt guter und informativer Artikel,er ist dir gut gelungen.
Freut mich sehr, dass es euch gefällt!
Erstmal war ich auch etwas ratlos, weil zu Bakkers Lebenslauf wirklich nicht viel drinsteht, weder auf Wikipedia noch sonstwo. Dann fand ich einige Interviews (auf Englisch), von denen sich besonders dieses hier als sehr ergiebig erwiesen hat. Aber er hat auch einen Blog (hab ich weniger benutzt) und es gibt mindestens zwei Fan-Foren (siehe hier und hier), wo ich ein bißchen kreuz und quer gelesen habe.
Und natürlich die "Krieg der Propheten-Trilogie" selbst. Warte, dass der Nachfolgeband vom vorigen Jahr auch endlich in der Übersetzung erscheint, da ich mir diese etwas schwierige Materie auf Englisch nicht ganz zutraue. Bzw. nicht ohne große Mühe und ich lese ja vorwiegend zur Entspannung!:-)
Die Kritiken sind etwas zwiespältig (kann man auf amazon ganz gut sehen), aber meine Meinung ist, dass viele Leute enttäuscht sind, weil sie sich was ganz anderes erwartet haben. Und es ist wirklich nicht ganz leichte Kost. Im ersten Band gibt es eine gewisse Durststrecke in der Mitte, die vorwiegend von diplomatischen Intrigen handelt, aber es kann auch sein, dass ich sie hauptsächlich deswegen so empfinde, weil mich politische Intrigen nicht wirklich interessieren. Sprachlich top, gedanklich tief, die Welt so detailreich, wie seit Tolkien nicht mehr. Z.T. noch detailreicher, weil geschichtlicher gearbeitet und mit einer tiefen, reichen Geistes-, Philosophie- und Religionsgeschichte versehen. Aber ich will den kommenden Artikeln ja nicht vorgreifen...
Weiß nicht, ob ich bis Wochenende noch was hinbekomme, da ich ab Montag 3 Wochen im Urlaub bin und nicht weiß, wieviel ich dort schaffen werde (an Artikeln wahrscheinlich eher gar nichts, aber wer weiß...).
Auf jeden Fall freue ich mich sehr über die positive Resonanz! Danke für euer Lob!
Wow! Was für ein Mammutartikel, sprachlich, informativ und stilitisch top! Da hast du mich auch gleich mal neugierig gemacht.
-------------------------------------------------------------------------------------------- Vor fünfhundert Jahren wussten wir, dass die Erde eine Scheibe ist. Heute wissen wir: sie ist kugelförmig. Stell dir vor, was wir in 500 Jahren wissen werden! -
Sehr informativer Artikel, da ist ja Wikipedia nichts dagegen! Wo hast du denn die ganzen Infos her, ich habe gerade etwas gegoogelt und gar nicht so viel gefunden.
Schön!!
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