Erlebe und entdecke mehr in den Rubriken:
Live Lexikon FANclub
Nimmt man in einem Buchladen einen beliebigen Roman in die Hand, kommt man kaum darum herum, einen Blick auf dessen Cover zu werfen. Mehr noch: Die Entscheidung, aus der Vielzahl von Büchern, die man sich greifen könnte, nun genau eines auszuwählen und näher in Augenschein zu nehmen, wird nicht selten maßgeblich davon beeinflusst, ob einem das Cover des betreffenden Schinkens anspricht oder nicht. Um genau zu sein, ist es in den meisten Fällen die das Cover zierende Illustration, die das Pendel zwischen „Oh, interessant“ und „Absolut nichts für mich“ ausschlagen lässt.
In der englischsprachigen Welt weiß man zwar schon lange, dass man ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen sollte, aber – Hand aufs Herz – wer könnte von sich ehrlich behaupten, noch nie auf ein Buch aufmerksam geworden zu sein, weil ihn die Covergestaltung angesprochen hat? Sie ist wie ein Spiegel, der einen Ausschnitt der phantastischen Welt zwischen den Buchdeckeln einfängt und auf sie neugierig macht. Doch wie entsteht dieser "Spiegel" nun? Wer legt den Ausschnitt fest, den er zeigen soll? Welche Handwerker, Künstler und Kritiker sind daran beteiligt, dass die Cover‐Illustration auch zum Inhalt eines Buches passt?
Ebendieser Frage möchte ich am Beispiel meines in wenigen Tagen erscheinenden Buchs "Die Zombies" einmal nachgehen. Schauen wir uns doch zunächst einmal das Cover als Ganzes etwas näher an: Ungefähr nach dem Grad der Auffälligkeit geordnet wäre da zunächst einmal die eigentliche Illustration, dann kommt natürlich der Titel in besonders großen Lettern und der Name des Autors; am rechten Rand hat man ein dezentes Verlagslogo untergebracht und schlussendlich findet man unter dem Titel auch noch das unscheinbare Wort "Roman". Auf den ersten Blick erscheinen sowohl die gebotenen Informationen als auch deren Anordnung recht einleuchtend und simpel. Dahinter steckt aber einiges mehr, als man vielleicht vermuten mag. Cover werden in mühevoller Kleinarbeit und sehr kunstfertig komponiert – um genau zu sein, ist dieser Designvorgang derart komplex, dass man allein zu diesem Thema ohne Probleme einen ganz eigenen Text schreiben könnte. Beschränken wir uns daher lieber nur auf ein Teilelement, und zwar das, das in der Regel für den Leser am auffälligsten ist und über dessen Qualität sich im Übrigen auch am Trefflichsten streiten lässt: die Illustration.
Der Illustration fällt eine entscheidende und zugleich schwierige Rolle zu: Sie soll Aufmerksamkeit auf sich ziehen, Neugier wecken und dabei auch noch im Optimalfall in einer sinnvollen Verbindung zum Inhalt des Buchs stehen. Man soll das Buch allein anhand der Illustration wiedererkennen und aus der Flut anderer Neuerscheinungen herauspicken können. Eine Illustration, die all diese Funktionen erfüllen soll, kann aber nicht einfach ohne Rückfragen und ohne Nachdenken in Auftrag gegeben oder gar aus einer Bilddatenbank herausgesucht und dann holterdipolter auf das Buch gedruckt werden (zumindest macht man das unserer Erfahrung nach bei Piper nicht so). Stattdessen wird viel Mühe und Arbeit in das Bildchen hineingesteckt, bis schließlich alle Parteien mit ihm zufrieden sind.
Aber wer sind diese Parteien, die es zu befriedigen gilt? In vielen Fällen (aber nicht unbedingt immer) sprechen sich zunächst der zuständige Lektor und der Autor miteinander ab, welche Stellen oder Akteure aus dem Roman brauchbare Illustrationsvorlagen abgeben. Klingt nach einer leichten Aufgabe, ist es aber nicht. Nicht jede Szene oder Figur aus einem Buch eignet sich auch für eine gelungene Coverillustration. Kann ja durchaus sein, dass einem als Autor die kleine Episode, in der der strahlende Held sich im Finstertann ins Unterholz verdrückt, um sein Wasser abzuschlagen, besonders am Herzen liegt – aber will außer ihm tatsächlich sonst noch jemand einen strullenden Paladin auf dem Cover haben, wo der Schwerpunkt des gesamten Epos womöglich eher auf einer Schlacht zwischen wollnashornreitenden Goblins und einer Garnison thulavamensischer Pikeniere liegt? So blöd es sich anhört: Das Cover stellt auch immer den Versuch dar, den Flair eines Buchs einzufangen – und dabei muss man zwangsläufig oft auch mit Bildern arbeiten, die beim Betrachter vertraute Muster abrufen. Gleichzeitig will man aber Fehltritte, wie sie in den Achtzigern gerne passiert sind, tunlichst vermeiden (beispielsweise feuerspeiende Drachen oder an die muskulösen Schenkel eines streitaxtbewehrten Barbaren geschmiegte Damen in Kettenhemdbikinis auf dem Cover, obwohl im gesamten Buch weder ein Drache noch Kettenhemdbikinis vorkommen).
Nach dieser einleitenden Absprache werden die darin gewonnenen Ideen dann an eine Agentur weitergegeben, die sie wiederum an einen Künstler leitet, der einen ersten Entwurf erstellt. Bei "Die Zombies" sah dieser Entwurf von Henrik Bolle dann so aus:
.jpg)
Dieser Entwurf landet nicht nur bei der Agentur, sondern auch bei den Lektoren, dem Autor, der Art Direction und der Marketing‐Abteilung des Verlages. Die Art Direction ist unter anderem dafür zuständig, dass das Buch in seiner endgültigen Erscheinung auch zum gesamten Verlagsprogramm oder auch nur zu einem bestimmten Teil passt – wenn man ansonsten für seine Krimis nur fotorealistische Illus in Schwarzweiß verwendet, wirkt ein Cover im quietschbunten Comicstil nämlich etwas merkwürdig. Die Art Direktorin hat also einen sehr schwierigen und anspruchsvollen Job, wenn sie versuchen muss, so vielen Büchern, wie sie Piper oder andere große Verlage herausbringen, eine in sich stimmige Linie zu geben – insbesondere wenn sich diese Linie im Laufe der Zeit auch noch immer wieder ändert!
Außerdem meldet sich – wie schon erwähnt – in dieser Phase auch bereits das Marketing zu Wort, das ja sowohl vor als auch nach Erscheinen des Buches dafür Sorge tragen soll, dass möglichst viele Menschen es sich schnappen und mal hineinschnuppern. In den Marketing‐Abteilungen sitzen echte Spezialisten, die nicht nur den Markt selbst, sondern auch die Wünsche und Anregungen der Leser sowie viele andere Cover – nicht nur die des eigenen Verlages – ständig im Auge behalten. Bei "Die Zombies" wiederum führten diese Rückmeldungen von Art Direction und Marketing nun dazu, dass sich die Sorge breitmachte, das Cover würde vor allem Genrefans ansprechen, die den Verweis auf den Film "Return of the Living Dead" verstehen. Es bestanden zwei Befürchtungen: erstens die, alle anderen potenziellen Leser von vornherein quasi abzuhängen oder auszugrenzen, und zweitens die, dass der verfaulte Arm alles überlagerte, was der Roman abgesehen von der einen oder anderen Ekligkeit noch alles zu bieten hat.
Was nun? Es musste ein anderes Cover her, das einfach mehr Facetten des Buches abbildet, ohne sich dabei in Details wie Grabsteinen oder der Tower Bridge zu verlieren. In Rücksprache mit Henrik und einem mit ihm befreundeten Künstler entstand diese Skizze:

Sie zeigt die Protagonistin Lily, wie sie sich an einer Taube gütlich tut. Schön schaurig und sehr nahe an einer Schlüsselszene des Romans, aber irgendwie immer noch nicht das Richtige. Aktuell werden die Cover im Bereich der "Urban Fantasy" (und dort fällt "Die Zombies" wohl hinein) von schönen, aber unheimlichen Frauen dominiert – und da im Roman eben nicht nur halbverweste Zombies ihr Unwesen treiben, sondern auch dank perverser Hausmittelchen und gesunder Ernährung recht gut erhaltene Exemplare, wurde das Motto ausgegeben: „Unser Zombie soll schöner werden!“ Also entstand noch eine dritte Illustration, mit der dann schließlich alle zufrieden waren.
Auf den ersten Blick eine attraktive, junge Frau, doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass etwas mit ihr nicht stimmt: Dunkle Tränensäcke verleihen ihr etwas Verbrauchtes, ihre Haut ist leichenblass, und ein seltsamer roter Schimmer liegt in ihren Augen. Was wiederum im übertragenen Sinne ganz ausgezeichnet den Roman widerspiegelt: Lily, die Heldin von "Die Zombies", gerät ganz unerwartet in die Welt der Untoten hinein. Auf den ersten Blick erschienen ihr die Legenden und Sagen eben nur wie Mythen ohne jeden Realitätsanspruch, doch bei näherer Betrachtung entdeckt sie die schaurige Wahrheit hinter den beunruhigenden Geschichten ...
Ein langer Weg von den ersten Gedanken zur Illu bis zum fertigen Bild lag hinter uns, und jetzt können wir nur hoffen, dass ihr davon genauso begeistert seid wie wir!

Find den Artikel wirklich sehr aufschlussreich! Wollte schon seit längerer Zeit wissen, wie eigentlich so ein Cover gemacht wird. Bin vorher aus Zufall darauf gestossen =)
Ich finds auch schade, dass das Cover zum Verlag passen muss. Muss aber sagen, dass ich es irgenwie verstehen kann. Ist ja auch nicht wirklich toll, wenn man in ein Geschäft geht und dort alles kunterbunt zusammen gemischt wurde...
Das endgültige Cover weckt auch bei mir "Twilight-Erinnerungen" , trotzdem finde ich es sehr schön (da drückt vielleicht mal das Teenie-Mädchen durch). Aber auch die anderen beiden find ich nicht abstossend.
Trotzdem, lese ich ein Buch und merke, dass das Cover nur wenig mit der Geschichte zu tun hat, bin ich doch recht enttäuscht. Da müssen die Verantwortlichen eben Kompromisse eingehen. Ich bin nur schon froh, dass ich den Job nicht habe.
Danke für den aufschlussreichen Artikel! Ich muss sagen, das erste Cover hätte mich als Laien wohl eher nicht zum Lesen animiert, die beiden anderen dagegen schon. Auch wenn das gewählte Cover etwas Probleme haben dürfte, sich von der Masse abzuheben.
Nun,dass 1.mit der Taube und so --hat mir gar nicht gefallen ! Ich bin, da mehr für gruslige Gestalten zuhaben ,auch wenn das vielleicht für viel --langweilig und auch immer das Gleiche es !! Aber für manche Bücher, hat das einen entsprechenden Wiedererkennungswert --den man bei der Vielzahl von Bücher im Buchladen --auch wirklich gut gebrauchen kann --oder ?? Und ein Mädel, dass gerade eine Taube ist zu sich nimmt --finde ich ,einfach eklig und unpassend für ein Cover ,dann lieber der normale Grusel !! LG starone
Also mich hätte das erste Cover wohl auch mehr angesprochen, das jetzige wirkt tatsächlich ein bisschen nach "Teenie -Vampir-Horror"
Ich schließe mich den anderen von ganzen Herzen an... Cover, die auch wirklich etwas mit der Story zu tun haben wären besser; ehrlich gesagt weckt dieses Cover erstmal "Twilight" Assoziationen,,, das ist zwar sicher vom Verlag so gewollt, aber ich empfinde es dann nicht als "ernsthaftes" Buch ;). Twilight ist mE eine bessere Fanfiction, obwohl es auf diesem Gebiet auch bei weitem Besseres gibt.
Das erste Cover hat mir persönlich sehr gut gefallen, das zweite auch noch. Dieses Cover würde ich mir im laden nicht genauer angucken, weil ich es auf den ersten Blick als "unter meiner Altersstufe", sprich als Teenie-Buch einsortieren würde.
-------------------------------------------------------------------------------------------- Vor fünfhundert Jahren wussten wir, dass die Erde eine Scheibe ist. Heute wissen wir: sie ist kugelförmig. Stell dir vor, was wir in 500 Jahren wissen werden! -
Nachdem ich nun die ersten drei Seiten der Leseprobe zu mir genommen habe denke ich, dass das Cover noch weiter am Thema vorbei ist. Wenn das Cover Lily zeigen soll und auf den ersten paar Seiten steht, dass sie dunkelhäutig ist (ob sich das wegen ihres Zustandes auf magische Weise später geändert hat, wird aus der Leseprobe nicht ersichtlich), hat derjenige, der das "Unser Zombie soll schöner werden"-Motto in die Welt setzte, sich wohl kaum mit dem Inhalt beschäftigt.
Wahrscheinlich ist nur eine kalkweiße Frau und nicht die irgendwie tot aussehende Dunkelhäutige marktfähig...
Vielleicht sollte ich aufhören, über diesen Artikel nachzudenken...
Also ich finde diesen Artikel echt gut, so kann mal sehen welche arbeit hinter einem Cover für ein Buch so steckt.Darüber denkt mann ja nich immer wenn ein Buch in die hand nimmt.
Was mich jetzt wirklich interessieren würde. Der Verlag möchte einer Linie folgen und ein Cover darf nicht mit ab vom Mainstream sein. Aber mal ehrlich werden Leute, die sich ne junge Frau auf dem Cover wünschen bzw. erst dann reagieren, wirklich zu einem Buch über Zombies greifen??
Mich persönlich spricht dieses Cover jetzt auch nicht wirklich an, dagegen aber die anderen beiden sehr. Es ist etwas ungewöhnliches und wäre damit mal wirklich aus der Masse herausgestochen.
wirklich sehr interessant. Was mich jedoch als Leser und Buchliebhaber etwas schockt, ist die Tatsache, dass das Cover eines Buches zum restlichen Verlagsprogramm passen muss. Da sind die künstlerischen Freiheiten doch ziemlich eingeschränkt.
Mal ehrlich... für einen Leser gibt es doch nichts schöneres, als den Bezug von der Geschichte zum Cover. Ich möchte meine Helden dort sehen, mit denen ich die ganze Zeit mitfiebere... oder halt besondere Orte usw. Wenn man sich nun nach dem Standard des Verlagsprogrammes richten muss, wird mir einiges klar.
Im Fall "Die Zombies" ist die Kurve wohl noch ganz gut gelungen, obwohl mit Lily aus dem Roman noch unbekannt ist. Aber es ist doch Einheitsbrei.
Nichts ist ansprechender als ein tolles Cover, davon lasse ich mich locken. Wenn das Verlagsprogramm ständig ähnlich aussieht, fehlt einfach der Kick. Warum denn nicht ein bisschen mutig sein und die Cover nach der Geschichte gestalten, nicht nach Schema X.
Der Artikel ist schön und umfangreich. Und zeigt, dass Innovation offenbar abschreckend ist... Wenn ein Cover zum Inhalt des Buches passen soll, dann frag' ich mich, was mit den guten alten Horden hirnfressendem Gewehrfutter passiert ist? Darf man nichtmal mehr als Zombie entstellt und hässlich sein? Das Cover ist für mich am Thema Zombie vorbei... in das endlose Meer der Romantasy gesprungen. Das ursprünglich geplante Cover wäre ein Blickfang auf Auslagetischen gewesen. (Hätte ich sofort gekauft!)
Nach diesem Artikel weiß ich jedenfalls, wer im Prozess der Coverfindung so sehr auf Bilder der Schiene "Hübsche Frau+ düsteres Flair" abfährt...
Da kann man wohl nichts gegen machen...
Diese Seite wird von der Piper Verlag GmbH in Kooperation mit iRead Media betrieben.
AGB | Copyrights | Datenschutz | Impressum | Regeln | Kontakt