Artikel

Alben (Alfar)

Die Toteninsel (Arnold Boecklin)

Eine vielgestaltige Familie der Naturgeister, von denen der Alb sowie die Elben / Elfen, Albae und Nachtmahre ebenso abgeleitet werden können wie die Zwerge und Kobolde. "Elf" ist die sprachgeschichtlich jüngste Form des ahd. "alb", sie verbreitete sich erst mit der im 18. Jh. einsetzenden Rezeption von Shakespeare's Werken und den darin vorkommenden "aelfen" in Deutschland.
 
1. Herkunft
2. Frühe Zeugnisse
3. Weiterentwicklung
4. Weiterführende Literatur
_____________________________________________________________
 
1. Herkunft
 
Zur Zeit der alten Germanen, wahrscheinlich auch schon deutlich früher (Stein- und Bronzezeit), symbolisierten die Alben (altnord. alfar) höchstwahrscheinlich die Seelen bzw. Geister der Verstorbenen. Sie hatten Einfluß auf das Werden der Natur und auf die Elemente. Die Herkunft des Begriffs ist unklar, es wird ein Zusammenhang mit dem alteuropäischen Wortstamm -alb- (= "Berg", lebt in den Alpen, der Elbe / Albis = Fluss aus den Bergen" und Albion = "Hochland" weiter) und / oder mit dem lat. "albus" (weiß, glänzend) vermutet. Letzteres wird immer wieder als Beleg für die Deutung "Lichtwesen" herangezogen; ersteres ist jedoch weitaus plausibler, weil es auf Berge oder Hügel als Wohnort dieser Geister hindeutet. In der irischen (keltischen) Religion galten die sogenannten side, worunter meist die großen Grabhügel verstanden wurden, als bevorzugte Stätten der Anderswelt - dem Sitz der unsterblichen Seelen der Toten, die ständig in die Welt der Lebenden eingriffen. Die Alben hausten nach dieser Deutung ursprünglich ganz in der Nähe der Gräber, wo ihnen offenbar regelmäßig Opfer dargebracht wurden ("Elbenopfer"). Der Kult konnte alternativ auch direkt im Haushalt ausgeübt werden, so wie in Rom für die verwandten Lemuren.
 
Ursprünglich waren diese Geister der Nacht und der Dunkelheit verbunden und scheuten das Licht, sie konnten dem Menchen gefährlich werden und ihn mit ihrem "Elbenhauch" krank machen. Außerdem waren sie (wie in anderen Kulturkreisen auch, siehe z.B. die Lamien) als Räuber kleiner Kinder gefürchtet.
 
 
2. Frühe Zeugnisse
 
In der literarischen und wörtlichen Überlieferung haben die germanischen Alben gleich mehrfach ihre Spuren hinterlassen:

  • im Nibelungenlied in Gestalt des Zwergenkönigs Alberich / Alfrik, also "Herrschers der Alben", der über ein unterirdisches Reich voller Schätze (u.a. den Nibelungenhort) gebietet und von Siegfried / Sigurd besiegt wird. Durch die Aufnahme in den frz. Ritterroman (Auberon) wurde aus ihm schließlich Oberon, der durch Shakespeare und Wieland berühmt wurde;
  • in der Edda als handwerklich begabte, aber auch verschlagene bis diebische zwergenhafte Wesen (Gegenstück zu den Thursen = Riesen), die Waffen und Schmuck für die Götter herstellten und als weise galten. Einige von ihnen lebten in Alfheim, das entweder Alfr (Vater von Alfhild, der schönsten Frau weit und breit) oder aber dem Gott Frey unterstand;
  • in der Alraune = *albrun ("Raunen der Alben"), der menschenähnlich aussehenden und als zauberkräftig geltenden Wurzel der Mandragora;
  • nicht zuletzt in Personennamen wie Alfred oder Al(b)win.

 
3. Weiterentwicklung
 
In der nordischen Mythologie wurden drei Klassen von Alfar / Elfen unterschieden:

  • Licht-A.(Bewohner der Regionen des Lichts = Alfheim)
  • Dunkel-A. (Bewohner von oderirdischen Höhlen)
  • Schwarz-A. (Bewohner der Unterwelt)

Die beiden letztgenannten Gruppen verschmolzen bereits bei Snorri Sturleson miteinander und lebten fortan in der Gruppe der Zwerge weiter; in Süddeutschland erhielt sich diese ursprüngliche Bedeutung der Alben im solitären Traumdämon Alb / Nachtmahr.
Die zunächst eine Minderheit bildenden, weil freundlichen und schönen Licht-A. bzw. Elben / Elfen machten dank Shakespeare (im "Sommernachtstraum" mit Elfenkönig Oberon und Königin Titania) und Tolkien (im "Herr der Ringe" mit den Elben) eine beispiellose Karriere.
 
 
4. Weiterführende Literatur
 

 

Zugeordnete Kategorien: Charaktere & Völker
Free Tags: Albae, Alben, Elben, Elfen, Fabelwesen

Diskussionen

Diskussionsbeiträge

...zu diesem ansonsten fantastischen Artikel, der fast schon das embryonale Stadium einer Facharbeit erreicht hat! :)
 
(Bewohner von oderirdischen Höhlen)----->(Bewohner von oberirdischen Höhlen)
 
Freu mich auf weitere Artikel!

Guter Artikel!

Kritikpunkte:
Albis = Fluss aus--> da fehlen Anführungszeichen vor Fluss
Licht, sie konnten dem Menchen--> Menschen
und du könntest noch ein paar Verlinkungen einführen, zB zu dem "Alb" Artikel und den Albae.
Dies ist aber wirklich ein Top-Artikel! Super geschrieben und recherchiert, bin echt beeindruckt!
-------------------------------------------------------------------------------------------- Vor fünfhundert Jahren wussten wir, dass die Erde eine Scheibe ist. Heute wissen wir: sie ist kugelförmig. Stell dir vor, was wir in 500 Jahren wissen werden! -

Diese Seite wird von der Piper Verlag GmbH in Kooperation mit iRead Media betrieben.

AGB | Copyrights | Datenschutz | Impressum | Regeln | Kontakt

Alle Buchpremieren | Alle Bücher | Alle Lexikonartikel