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Abercrombie, Joe: First Law Trilogie

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First Law Trilogie – Joe Abercrombie
 
Der Weg zur Konfrontation...
 
Besser man stellt sich den Dingen sofort, als noch lange mit der Angst vor ihnen zu leben.
Diese Weisheit stammt aus der First-Law Trilogie von Joe Abercrombie, genau genommen von Logen Neunfinger und noch genauer genommen wiederum von Joe Abercrombie, hat er diese Figur schließlich selbst entworfen und sprechen lassen.
Es ist auf jeden Fall eine Weisheit, die mich gerade eben aufleben lässt und den etwas unüberdachten Versuch, diese Trilogie zu beschreiben, nicht direkt verfluchen lässt. Denn es ist gar nicht leicht über etwas zu schreiben, das sich selbst nicht sicher ist, was es sein will.
Das erste Buch erschien 2006, mit dem Titel "Kriegsklingen" („The Blade itself“). 2007 folgte „Feuerklingen“ („Before they are hanged“) und 2008 „Königsklingen“ („Last Argument of Kings“). Die deutschen Titel haben leider herzlich wenig mit dem Inhalt der Bücher zu tun, beziehungsweise lassen kaum Rückschlüsse auf jenen zu. Der Name der Trilogie, First Law, bezieht sich auf das erste Gebot des Juvens, was besagt, dass man nicht die Magie der anderen Seite verwenden darf. Die andere Seite ist die Welt der Dämonen, die Juvens einstmals aus der Welt der Menschen verbannte.
 
Der Weg zum Verstehen...
 
Doch beginnen wir mit Grundsätzlichem. Der Welt.
Oder noch oberflächlicher – dem Werk an sich. Denn es wird offensichtlich, nach gewisser Zeit, dass dieses Werk seinem eigentlich Genre – der Fantasy – nicht sinnentleert und kopiervorlagengetreu hinterher trotten möchte. Die Magie dieser Welt ist alt, verkommen und wird nicht mehr für real gehalten obwohl es noch lebende Schüler des Juvens gibt. Von den ehemals dreizehn Schülern leben jedoch nur noch sechs. Andere Wesenheiten gelten allenfalls noch als Mythos und bei weitem nicht mehr als Gefahr – was die Schanka sowie die Verzehrer jedoch durchaus sind. Aber viele Menschen glauben eben erst das, was sie selbst gesehen haben. Dieses Prinzip, diese geradezu verrückt machende starrsinnige Naivität, die Menschen nur all zu gern an den Tag legen um ihr einfaches Leben zu behalten, zieht sich permanent durch das gesamte Werk. Manchmal möchte man schon fast verzweifeln, da man sich selbst hilflos dem gegenüber fühlt was Abercrombie nur all zu treffend heraufbeschwört – nackte Gier, verdorbenste Charaktere und tiefsten Sarkasmus. Abercrombies Welt scheint auf den Grundfesten der Ironie erbaut zu sein und hält hinter jedem neuen Gesicht mindestens eine charakterliche oder immerhin moralische Enttäuschung bereit. Wenn schon nicht beabsichtigt, so führen doch immer die sich verkettenden Umstände erfolgreich jeden Charakter irgendwann an den Punkt, an dem Erfolg zu Leid übergeht. Das ist es auch, was viele begeisterte Fantasyleser an diesem Werk verzweifeln lässt – die bedingungslose Wiederkehr von Unglück und morbidem Humor. Das ist aber längst nicht alles. Viele bemängeln Abercrombies Schreibstil, klopfen wahllos mit dem Finger auf eine der Buchseiten und bezichtigen es der Fäkalsprache – und treffen zu etwa dreißig prozentiger Wahrscheinlichkeit mit dem Finger tatsächlich auf ein Schimpfwort. Kein schönes Gelände für all diejenige, die einer überkantidelten, mittelalterlich anmutenden Sprache den Vorzug geben, um sich hinweggetragen in unreale Gefilde zu fühlen. Doch genau das ist es, was Abercrombie nicht will. Seine Bücher halten nicht dazu an die Welt um sich herum zu vergessen, sondern ganz im Gegenteil, aus einem schwärzeren Blickwinkel neu zu betrachten. Er findet das man es realistisch betrachten muss. Wiederum einer von Logen Neunfingers Lieblingsmantras – was man mit Abercrombies Ansichten wohl aber gleichsetzen kann.
 
Der Weg zur Geographie...
 
Abercrombies Welt, die sich als Schau - und Spielplatz zur Verfügung stellt, ist auf den ersten Blick keine Überraschung. Es gibt Königreiche, Splittergruppen, bekriegte Gebiete, reiche Städte und unterschiedliche Kulturen.
Die Hauptländer, die eine Rolle spielen, sind zum einen die Union, eine vom so genannten „Hochkönig“ geführte Vereinigung ehemaliger Kleinstaaten; Gurkuhl, welches von einem Imperatoren sowie einem Propheten (Khalul) geführt wird; der Norden, in dem Barbaren ihre eigenen Grüppchen und Völkchen zum ständigen Kampf untereinander anheizen; und Styrien, was ein Kontinent voller Stadtstaaten ist, die sich um den goldenen Apfel streiten.
Die glorreichen Kaiserzeiten sind längst vergangen und nur noch alte Relikte und leer stehende, verfallende Städte zeugen von ihrer ehemaligen Existenz. Dies gilt fast ausschließlich für jeden Kontinent - bis auf den Norden, in dem es nie einen Kaiser oder König gab.
Dennoch wird der Norden für die Union zur Bedrohung, da ein Häuptling (so genannter Anführer einer eigenständigen Kampfgruppe im Norden, welcher Carls als stärkste Kampfeinheit besitzt) das ehrgeizige Ziel hat, den Norden unter seiner Krone zu Einen und dann gegen die Union zu Felde zu ziehen um sich Angland, neuester Gebietszuwachs der Union, wieder Untertan zu machen. Dieser Mann ist Bethod, welcher auf seinem Weg kaum genügend Lug, Trug und Verrat säen kann – ohne je selbst als interagierender und eigenständiger Charakter von Abercrombie seinen Anteil der Geschichte abzubekommen.
Aber ich versinke schon zu sehr in den Geschehnissen. Zurück zur Ferneinstellung.
Die Welt.
Sie bekommt ganz klar ihren Anteil weg. Die Union liegt seit Generationen mit Gurkuhl im Zwist und hat den letzten großen Krieg für sich entscheiden können, doch schon drängt sich ein neuer Imperator an die Spitze und leitet alle Maßnahmen für einen Gegenschlag ein.
Nebenbei gesagt besitzt das Land Gurkuhl keinen einzigen frei handelnden Charakter in dessen Gedanken man einen Einblick bekommt, in der gesamten Trilogie – sieht man einmal von einer rachedürstenden Frau (Ferro) ab, die so viele Gurkhisen wie möglich töten möchte. Dennoch erfährt man, dass der Prophet der eigentliche Herrscher Gurkuhls ist. Später wird sich noch zeigen, dass sich in Abercrombies karg gestalteter Fantasywelt gerade in Gurkuhl eine seiner wenigen Fantasyelemente andersartiger Wesen herumtreiben wird.
Die Verzehrer.
Doch was einem fehlt, betrachtet man vor allem seinen jugendlichen Drang Karten für Welten zu entwerfen, die nur in seiner Phantasie existieren, ist ganz klar eine Übersichtskarte auf dem die Länder und Meere verzeichnet sind. So kommt man sich schon manchmal etwas zu sehr hin und hergeworfen vor ohne zu wissen, auf welchen Kontinent man eigentlich gerade „herabblickt“.
 
Der Weg zur Geschichte...
 
Kurz und knapp ist es, wie euch vermutlich schon auffiel, leider nicht zu machen. Es gibt eine enorme Vielzahl an Figuren sowie auch Protagonisten, die besonders hervorgehoben werden sollten. Die beiden Hauptcharaktere, auf denen Abercrombie sein Werk stützt, sind jedoch ganz klar Sand dan Glokta - seines Zeichens Inquisitor und Krüppel, sowie Logen Neunfinger, auch genannt der Blutige Neuner – seines Zeichens Barbar und meist gehasster Mann des ganzen Nordens. Doch ihn zu hassen dürfte jedem Leser schwer fallen, da seine schlichte Art die Story immer wieder voran bringt und, selbst in langen Passagen, Durchhaltevermögen spendet sowie den immer wieder aufschimmernden Humor gern füttert.
 
Logen verliert seinen Platz im Norden, gerät zum ersten der Magier, Bayaz, und stellt sich in dessen Verpflichtung mit ihm eine Reise quer durch die bekannte Welt zu machen, zu welchem Zweck erfährt man jedoch nicht sofort. Sein Part bei der Reise begründet sich jedoch nicht in seiner Kamfpkraft, sondern in seiner Fähigkeit Geister zu beschwören. Ein weiteres kleines Zugeständnis von Abercrombie an das Genre, das sich bei ihm dennoch nie fehl am Platze fühlt.
Der Reisegesellschaft werden sich noch Ferro, eine Meuchelmörderin aus Gurkuhl, Bruder Langfuss, ein Wegkundiger, Jezal dan Luthar, ein adliger Soldat, welcher ein großes Fechtturnier gewann und Quai, der Lehrling von Bayaz, hinzugesellen.
Ein weiterer Handlungsstrang legt sich auf eine Gruppe Nordmänner, die sich gegen Bethod gestellt haben, obwohl – oder gerade weil – sie einst unter seinem Namen Kämpfe bestritten haben. Diese Gruppe setzt sich aus den namhaftesten Kämpfern der Barbaren zusammen – dem Hundsmann, Rudd Dreibaum, Harding Grimm,Tul Duru Donnerkopf und der schwarze Dow.
Ein weiterer Plot dreht sich um den bürgerlichen Major West, welcher durch ruhmreiche Taten und auf Grund verzweifelte Maßnahmen einen enormen Werdegang im unionistischen Militär bestreiten wird. Ebenso bekommt seine Schwester Ardee einen nebenbei handelnden Strang in die Hand, wird diesen jedoch größtenteils halbherzig und selbstvergessen schlaff in einer Hand hinter sich her schleifen.
Der letzte große Strang gebührt Sand dan Glokta – ehemaliger Wunderfechter und gutaussehender Soldat der Union, kehrte er aus Gurkuhl, nach einer zwei jähriger Kriegsgefangenschaft voll Folter, als gebrochener Mann zurück und ist nur noch für eins zu gebrauchen – als Folterknecht und Inquisitor.
 
Es ist nicht Abercrombies überbordernde Phantasie oder aber besonderer Einfallsreichtum, der diese Trilogie durchweg anregend macht, sondern seine Verkettung der vorhandenen Handlungsstränge – in - und durcheinander, ohne das man jemals in die Gefahr gerät, den Überblick zu verlieren. Der Vorwurf an Abercrombie keine besondere Sprachbegabung zu besitzen kann stimmen, doch beachtet man sein Bemühen militärische Floskeln, nicht abgedroschen klingende Situationsweisheiten und perfekt inszenierte Analogien zu erschaffen, dann muss man ihm Tribut für seine Sprache zollen. Wenn es schon nicht im Klang steckt, so doch wenigstens im Sinn der Wörter. Denn darauf sind alle drei Bücher reduziert – auf ihren schlichten Sinn und nicht auf ihre blumige Ausdruckskraft, die bestenfalls mit einer gemähten Gänseblümchenwiese im blutigen Licht des Morgenrot zu vergleichen ist...
 
Der Weg zur letzten Zeile...
 
Wie schon erwähnt zeichnet sich Abercrombies Erzählweise vor allem damit aus, dass sie jeglichen Optimismus gnadenlos bekämpft. Wer auf eine glückliche Wendung der Handlung hofft, wird meist ebenso in die ungeschützte Flanke erwischt, wie die Protagonisten selbst. Ihre Charaktere und Erfahrungen lassen es nicht zu, dass sie sich zu selbstlos für andere Einsetzen und ebenso andere in ihr vollstes Vertrauen hinein ziehen. Selbst als Leser, der immer eine Wendung erwartet, bei der Stange gehalten werden und selektives Wissen im Vorausdenken ergänzen will, wird einsehen müssen, wie sträflich doch das Wort Vertrauen einem Menschen zum Opfer seiner selbst werden lassen kann. Diese Grundhaltung zeigt sich am deutlichsten in der Figur Ferro, deren Gedanken zum Vertrauen zu Abercrombies Grundmaximen gehören dürfte.
Vertrauen ist ein Wort für Lügner.
Wer diese schwarze Sicht der Welt und des menschlichen Kalküls nicht gut verträgt, der wird auch Abercrombie nicht gut vertragen. Alle anderen sind herzlich eingeladen sich diesem Büchern zu stellen, bis zur letzten Zeile. Ihr werdet es nicht bereuen. Vertraut mir....
 
 

Zugeordnete Kategorien: Serien & Zyklen
Free Tags: Barbar, Inquisitor, Joe Abercrombie, Magie, Welt der Klingen

Diskussionen

Diskussionsbeiträge

@blutreiter: da haste ganz klar das getroffen, das auch mir an dem artikel nicht so gut gefällt.. doch um meine schreibweise zu erklären: ich habe nach ungefähr der hälfte des geschriebenen panik bekommen, das mir mein schreibstil zum vorwurf gemacht werden wird und ich zu wenig über die figuren bringen werde. bisherige buchbeschreibungen verliefen alle nach dem schema inhalt - figuren - bezüge.. oder so. ich bin einfach nicht fähig gewesen mich gänzlich auf den inhalt zu konzentrieren, danach mich nur den figuren zu widmen und dann ein sinnvolles fazit darauf zu ziehen. ich brauchte es einfach alles mehr oder weniger in einen fließenden Text einzubinden. irgendwann hab ich dann versucht mich selbst wegzukürzen und die Infos knapp gefasst rein zu bringen, aber dennoch einigermaßen im Stil zu bleiben. dabei ist herausgekommen, dass ich nen deutlichen umbruch reingebastelt habe. tat mir selbst ein bisschen leid, aber ich wars dann erstmal müde daran herum zu basteln. ich werds auch jetzt nicht ausbessern .- ich hab mit dem ende des artikels noch ne kleine überraschung vor, aber das kann noch ein ibsschen dauern. ich kümmer mich wohl erstmal um die verbleibenden bücher von abercrombie, bevor ich mich wieder an diesen artikel hier ran mache. aber ich sag schon mal so viel: der letzte satz eines jeden Artikels soll noch seine Bedeutung bekommen...
es könnte also lohnen immer mal rein zu gucken und nachzuschauen, was ich damit meinte...
bis dahin
tschü und thx fürs lesen...
 
Du sollst nicht vorwärts finkeln!

Innerhalb deines Textes besonders aber zu Beginn hat man sehr deutlich gemerkt, dass du hier keinen linear abgehandelten Artikel zu schreiben versuchst. Als Idee besonders im Hinblick darauf, dass wir alle probieren uns hin und wieder neu zu definieren, finde ich das eine sehr gelungene Idee, die du lange Zeit durchhälst, sodass ich es sogar gern als Lesung oder wirklich am Lagerfeuer gehört hätte, aber zum Ende hin fällst du plötzlich deutlich ab und schwingst in die etwas sachlichere Schiene. Das finde ich dann leicht inkonsequent und wenn es nicht beabsichtigt ist für ausbesserungswürdig.
Ansonsten könntest du bei mir für einen baldigen Geldschwund gesorgt haben;PPP

naja, es ist keine enorme kritik, die ich eigenltich für den artikel erwartet hab, mir gefällt er umgesetzt in sprache und inhalt nicht so gut, aber es ist ja immerhin schon mal etwas! das baut auf das es hier doch noch welche gibt, die den artikel lesen und verstehen. naja, und die bücher kennen. (und dabei ist es doch von Heyne... wir lesen hier doch alle ausschließlich piper, oder? ;) )
genauere fakten wollte ich hier eigentlich raus lassen und erst dann bei den einzelnen büchern bringen - denn ja, die kommen auch noch! Kriegsklingen, Feuerklingen und Königsklingen bekommen noch ihren Artikel und sollen ein bisschen tiefer in die Geschichte hineinführen... bin aber noch am überlegen wie ich das mit spoilern hinbekomme. will nicht zu viel verraten... dort wird sich dann aber auch einiges mehr über die nordmänner finden, die hier sehr kurz wegkommen mussten, obwohl sie ne größere rolle verdient haben.
 
und ja, ok, der spruch ist von logens vater.. da der aber schon lange vor beginn der story starb und ihn ausschließlich logen denkt und als mantra wählt, finde ich, darf ich ruhig sagen das es logen ist, der diesen spruch patentiert. hoffe ich zumindest.
so, ich mach mich wieder an die arbeit... der artikel sieht sonst so leer aus, wenn keine weiteren links entstehen...
 
Du sollst nicht vorwärts finkeln!

Da die anderen eindeutig besser sind im Lobreden schreiben - was nicht heißen soll, dass ich nicht auch gerne eine schriebe - überlasse ich das ihnen und schlage ich stattdessen ein paar Sachen vor
 
Man könnte zum Beispiel noch erwähnen, dass Jezal das Fechturrnier nicht aus eigener Kraft gewonnen hat, sondern von Bayaz magiekräftig dabei unterstützt wurde, da er sich davon . . . aber das führt jetzt wahrscheinlich zu weit.
 
Bei dem Männer, die sich gegen Bethod stellen, ist noch zu sagen, dass Logen, da sie ihm alle ihr Leben schuldeten, ihr Anführer ist und sie auf den Weg gegen Bethod geführt hat.
 
Um endgültig kleinlich zu wirken: Der Spruch vom Anfang ist doch eigentlich von Logens Vater. 

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